Märchen und Fabeln aus Afghanistan , gesammelt von Dr. Mir Hafizuddin Sadri

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Der Königssohn und sein Vetter

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Es war ein König, der hatte ein einziger Sohn. Der Sohn ist inzwischen groß, so daß der König ihm in seine Geschäfte einführen wollte. Er nahm den Jungen und zeigte alle sechs Zimmer des Schloßes. Das eine Zimmer war schöner als das andere und voll von Edelsteine und Schmück. "Das siebte Zimmer", so sagte er, "ist leer. Außerdem darf hier keiner rein."

Eines Tages bat der Prinz den Vater, ihm den Schlüsselbund zu geben. Er möchte endlich die Räume sehen. Der Vater gab ihm die Schlüssel. Er ging in das siebte Teil des Schloßes. Tatsächlich war der Raum leer. Bevor er das Zimmer verlassen wollte, sah er ein staubiges Kästchen  Neugierig wie er war, öffnete das Kästchen und sah ein Bild einer sehr schönen Frau. Von der Schönheit dieser Frau wurde er ohnmächtig. Als er aufstand, sagte er zum König. Die Inhaberin dieses Bildes möchte ich als Frau haben. Der König hat gesagt: "Leider ist es nicht möglich." Ich habe versucht, sie zu finden. Es ist mir nicht gelungen. Traurig ging er zu seinem Vetter und schüttelte ihm sein Herz. Der Vetter sagte: "Morgen reiten wir los. Ich helfe dir, diese Frau zu finden." Sie ritten tagelang. Schießlich kamen sie an einem Ort und klopften sie an der Tür. Die Tür öffnete sich und sie traten das Zimmer ein. Plötzlich trat ein Mädchen ein und brachte Tee für die Gäste. Als der Prinz dieses Mädchen sah, fiel er von der Schönheit in Ohnmacht. Der Vetter Ebrahim sagte: "Die Reise war für meinen Freund zu anstrengend."

Als er aufwachte, eröffnete er seinem Vetter, daß die Person dieselbe ist, wie das im Bild steht. Als der Zauberer dies gehört hat, hat er das Mädchen in einer Ziege umgewandelt.

"Du bekommst das Mädchen, wenn Du den Ungeheuer tötest, der sein Unwesen unter der Erde treibt", sagte der Zauberer.

Die beiden ritten weiter. Unterwegs sahen sie einen Mann, der mit drei Bäume hin und her jonglierte. "Was machst du hier", fragte der Ebrahim. Ich habe gehört, daß der große Ringer Ebrahim hier vorbeigeht, ich möchte meine Kräfte zur seiner Verfügung stellen."

"Wo geht ihr hin", fragte der Jongleur. Wir haben eine schwere Aufgabe. Die Bewohner der Unterwelt müssen wir von einem Ungeheuer befreien." Ich mache mit" Sie ritten weiter und da sah sie einen Mann, der einen Berg von einer Stelle zur anderen Stelle legte.

"Was machst Du", fragten die Neuankömmlinge. Ich habe gehört, daß der Ringer Ebrahim vorbei reitet. Ich möchte meine Kräfte ihm zur Verfügung stellen."

Wohin reitet ihr hin, fragte er. "Wir müssen die Bewohner der unteren Welt befreien." "Darf ich auch mit", fragte er. Fünf ist besser als vier, lautete die Antwort.

Nach langem Ritt kamen sie an einem Ort, in dem sich ein trockener Brunnen befand. Trotzdem übernachten sie dort, weil sie müde waren. Alle zwei Stunden müssten jemanden Wache stehen. Erste zwei Stum der Prinz den Wachposten. Er schlief gerade in diesem Augenblick ein, als der Ungeheuer den Brunnen herunterkletterte und verschwand. Auch die anderen zwei starken Männer haben dies nicht bemerkt. Schließlich nahm der Ebrahim seinen Posten und blieb solange wach bis er den Ungeheuer an den langen Haaren faßte und hielt ihn fest.

Am anderen Morgen standen alle auf. Sie gingen zum Brunnen. Mit Hilfe seines Haares kletterten sie nach unten. Der Brunnen war so tief, so daß sie einen Tag lang brauchten. Kurz vor der Dämmerung erreichten sie den Boden des Brunnens. Als sie dort waren, sahen sie einen Simurgh (Kondor), der im Käfig gefangen gehalten wurde. Als erste band Ebrahim den Simurgh los. Er bedankte sich und flog.

Die Fünf Männer sahen Menschen, die nicht sprachen. Mit Zeichensprache verständigten sich, bis sie erfuhren, daß hier Sprechen verboten ist. Der Ungeheuer hat dies so angeordnet. Allein er darf sprechen. Wir müssen für ihn nur die Felder bestellen. Unsere Ernte schickt er nach oben und bekommt dafür bündelweise Schlafmittel. Wenn wir sprechen, bekommen wir von diesem Schlafmittel als Strafe. Dann werden wir von dem Ungeheuer gefressen, so gestekulierte ein alter Bewohner dieses Landes.

Der Prinz sagte: "Wir müssten die Regel dieses Landes achten", als er hörte, daß seine Kameraden so laut sprachen, wie sie könnten. Der Ungeheuer hörte von diesen Fremden. Der Ungeheuer rief: "Fremden raus. Unterwelt für Unterweltbewohner." Die Bewohner schwiegen, sie wollten diesmal tatsächlich auf die Gesetze ihres Landes acht geben.

Als der Ungeheuer versuchte, seine Bewohner Schlafmittel geben, haben die vier tapferen Männer ihn gepackt und besiegt. Ihn haben sie an einem Pflug gespannt. Er mußte die ganze Felder pflügen. An diesem Jahr fiel die Ernte ganz gut aus. Ein Teil haben sie nach oben geschickt und dafür bekamen sie Wachmittel. Der Ungeheuer bekam immer wieder von diesem Mittel, falls er schlafen wollte.

Seit dieser Zeit darf nur noch der Ungeheuer nicht sprechen. Im Winter ist er so müde, daß er seinen Winterschlaf macht.

Die Fremdlingen wollten wieder nach oben. Der Prinz wollte seine Braut haben. Sie wußten nicht, wie sie hinaufsteigen wollten. Da flog ein Simurgh (wörtlich " 30 Hühner "- Kondor) und sagte: Steigt auf mich. Ich bringe euch nach oben.

Als sie in die Oberteil der Welt ankamen, sahen sie den Zauberer, der für das Mädchen ein wunderschönes Brautkleid anfertigte. "Du hast deine Aufgabe gut erledigt", sagte der Zauberer.

Der Prinz, die Braut und der Vetter des Prinzen ritten nach ihrem Land. Als sie kamen, freuten sich der König und die Königin. Der König veranstaltete ein prächtiges Hochzeitsfest.

 

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