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Sandali oder Korsssi

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ein typischer Wärmespender in Afghanistan und Iran

In den Wintertagen - ca. drei Monate lang bis zum Beginn vom Neujahr  Nauroz , wird  " Sandali"  (in Iran "Korssi" genannt)  in den meisten iranischen und afghanischen Familien zum Zentrum des Lebens.  Hier werden an den langen Winterabenden Karten und Pandjaq gespielt, Gedichte vorgetragen, Orakel z.B. aus Hafisens Diwan gesprochen,  gerätselt und Märchen erzählt.  Besonders während der Yalda-Nacht werden die Gedichte von Hafis vorgelesen und interpretiert Backost und Früchte sowie Ost wie Granatäpfel,  Wassermelone, Zitrusfrüchte gegessen.  

Die Kinder und Jugendliche kommen nach dem Schneeräumen von den Dächern, nach Schneeballschlachten und Schneemännerbau (Holzkohle für die Augen) und Drachensteigen kurz hierher,  um sich aufzuwärmen. Auch die Vorbereitungen für das Einweichen des Backobstes und das Knacken und Häuten der verschiedenen Nussarten für das Naurozfest am 20./ 21.März findet hier statt.

Der Sandali ist ein flacher, ca. 60 cm hoher Tisch und in verschiedenen Größen und Formaten. Der Tisch, umgeben von vier Matratzen an jeder Seite, wird mit einer übergroßen, eigens für diesen Zweck genähten  Baumwolldecke gedeckt.

Unter dem eingehüllten Tisch befindet sich ein "Heizkörper", in der Regel ein Manqal, in dem sich meistens bereits glühende Holzkohle (ohne Dampf und Rauch) befindet, die mit vom Vortag übriggebliebener Asche dick bedeckt wird, so dass die Glut ganz unter der Asche versteckt ist  Die dadurch gespendete Wärme unter dem Sandali hält bis zum nächsten Tag an. Die noch nicht zu Asche gewordenen Glutstücke werden für das neue Feuer verwendet. Die ganze Familie kuschelt sich unter die Decke. Der Sandali wird meistens in der Ecke eines eigens für ihn reservierten Raum gestellt . An den beiden Wänden  werden lediglich große Kissen zum Anlehnen gestellt  und an den beiden wandfreien Ecken des Tisches werden die aus den Sommerdecken gestapelten  Rachtekhau Bündel als Rückenlehne benutzt.

Als es vor dem Kriege noch regelmäßig elektrischen Strom gab, hatten die Stadtbewohner unter den Sandali eine 500 W Lampe oder einen elektrischen Heizlüfter auf niedrigster Stufe gestellt.

Sandali

 

Bild von Abdul Ghafur Breshna, Maler, Dramaturg, Musiker, Pädagoge

 

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http://www.lindenmuseum.de/inhalt/show/brechna1.html

Als die Familie meines Onkels aus Deutschland kam, wollte meine deutschstämmige Tante im ersten Winter zunächst so was in ihrem Hause nicht dulden. Bei einem Besuch lehnte sie es auch noch ab, im Wohnzimmer mit Heizöl zu sitzen. Sie war auch nicht bereit am Sandali zu sitzen, bis meine Großmutter sie bat, sich wenigstens hinzusetzen. Sie könne jederzeit aufstehen, wenn es ihr zuviel wird. Kaum saß sie am Sandali, da rückte sie allmählich immer weiter unter dei Decke,  bis sie dort einschlief , da sie bei den Gesprächen damals noch nicht viel verstehen konnte. Am nächsten Tag hatte sie für das eigene Haus einen Sandali bestellt.