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Nau-Roz Mobarak

Neujahrsfest in Afghanistan, Iran, Kurdistan

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iranisch - kurdisch - afghanisches Neujahrfest

 

Geschichte des Nauroz-Festes

Zeremonie des Festes

Trink und Esskultur des Festes (Haft Sin und Haft Mewa)

Zeremonie von Samanak (hier Mehlspeise aus Weizenkeimlingen)

Bepflanzung von Setzlingen (Nehal-Schani)

Tulpenfest

Jenda Bala kardan

 

Geschichte des Nauroz-Festes

Nauruz bedeutet wörtlich "neuer Tag"  impliziert auch das Fest zum Neujahr.

Der antike Name des heutigen Afghanistans war "Ariana" (mehr dazu siehe www.afghan-german.de/d/gesch/gesch.htm).  Die iranischen Völker (d.h. alle mit einer indo-iranischen Sprache), darunter Kurden, Perser, Tadschiken, Paschtunen, Belutschen und Afghanen mit hinduistischen Glaubensrichtungen.  feiern vom 19. März bis 21.März den Beginn des neuen Jahres. Das Fest wird auch in Turkmenistan, Usbekistan und Pakistan gefeiert. In ganz Indien feiert man am 19/20.3. unter dem Namen Holi die Ankunft des Frühlings durch das Bewerfen mit roter Farbe.

Auch nach der Einführung des arithmetischen iranischen Kalenders im Jahre 1950 werden die astronomischen Monatsnamen gebraucht. Sie entsprechen den Monaten der Sternzeichen:  der erste Monat des Sonnenjahres ist Hamal = Widder, dann folgen Saur = Stier, Djauza = Zwillinge, Saratan = Krebs, Assad = Löwe, Sonbula = Jungfrau, Miesan = Waage, Aqrab = Skorpion, Qauss = Schütze, Djadi'e = Steinbock, Dalw = Wassermann und Hut = Fische. siehe Kalender

Das Neujahrfest am 1. Hamal (1.Widder) oder 1. Farwardin (Frühlingsanfang) kann auf eine über 3000-jährige Geschichte zurückblicken. Vieles spricht dafür, dass das Fest eine noch ältere Tradition hat. Obwohl einige afghanische Regierungen versuchten dieses völkerübergreifende Fest in Afghanistan herunterzuspielen, gar zu verbieten, ist dennoch der ursprüngliche Charakter dieses Festes erhalten geblieben: als ein Zeichen des Versuchs der Menschen, mit den Naturgegensätzen in Harmonie und im Gleichgewicht zu leben. In Überlieferungen von Awesta und in der Literatur des Sanskrit ist von der Huldigungen der beiden Tage (im März Frühlingsanfang  und September Herbstanfang -  der Tag- und Nachtgleiche) seit dem Sonnenkönig Yama Padscha  die Rede. Im Mittelpersischen, aber auch in dem Schahname von Ferdaussi wird "Yama Khescheta", der 1000 Jahre regiert haben soll, als Jamsched und seine Residenzstadt Tachte Jamsched (Persepolis) bezeichnet. 

Ferdaussi schreibt u.a. in einem Gedicht:

Beginn des Neujahrs - Tag des Hormoz (Name einer zoroastrischen Gottheit) in Farvardin

Sorglos von dem Leid der Erde wird gefeiert das große traditionelle Fest  in Erinnerung an jene Zeit.

Vor der Korrektur des Kalenders durch den berühmten Astronomen, Dichter und Mathematiker Omer e Khayam wurde Nauroz  am 15. Hut (Sternzeichen 14. Fische), also 4. März statt am 20.bzw.21.3. (1. Widder) gefeiert. Das andere große Fest wurde in der Mitte des Jahres im Monat Mizan (Waage) im September/Oktober nach der Erntezeit gefeiert. Harmonie und Konflikt sind Themen der Feste. Daher ist der Dualismus zwischen Tod und Leben, Dunkelheit und Helligkeit, Säen und Ernten und zwischen Erwachen und Ruhen der Natur zu verstehen. An diesen Tagen sollten Musik und Tanz nicht fehlen. Bis vor dem Krieg wurde der Unabhängigkeitstag statt im Mai im September/Oktober gefeiert und zwar 3 Wochen lang, wie einst das große Fest von Mizan. Im Iran wird dieses Fest des Gleichgewichts  Jaschne Mehragan genannt. Ganze Altstadt, von  Jade e Maiwand (Straße) bis hin zur Unabhängigkeitswiese, von der Messegelände bis zum Paschtunistan-Platz sowie der Umgebung vom Königspalast waren mit allerlei Formen und Farben geschmückt und beleuchtet.

Vor dem Fest treffen die Bewohner allerlei Vorbereitungen für das Fest. Die Wohnungen und Häuser, meist Lehmhäuser, werden gründlich gesäubert und Fenster geputzt. Dazu sagen die Bewohner  khana takani. An den Vortagen des Festes wird der Sandali (ein flacher Tisch für die kalten Wintertagen) und dessen Utensilien sowie die Steinkohle-, Holz- und Ölofen abgeräumt.

Zeremonie des Festes

An diesen Tagen finden z.B. in Afghanistan oft neben oder auf den Friedhöfen die großen Veranstaltungen des Nauroz-Festes statt. Auch am Neujahrstag werden die Toten nicht vergessen. Hier stellen die Schausteller und Zirkusleute ihre Zelte und Kinderkarusselle auf. In der Regel blühen an diesem Tag auf den Berghängen, wo sich die Friedhöfe befinden, allerlei Wildblumen, Frühlingspflanzen und Blumen. Nauroz wird seit Jahrtausenden als Symbol der Reinkarnation des Lebens gesehen. Sieben Gemüse- , Obst- und Pflanzen (Haft-Mewa und Haft-Sin), symbolisieren die sieben Glückseligkeiten, sieben Tugenden und sieben "Todsünden" des Lebens: Wiedergeburt, Reichtum, Glück, Liebe, Freude, Gesundheit und Bescheidenheit.

Vielfältige Spiele für Kinder und Jugendliche und für die Erwachsenen werden an diesen Festtagen angeboten. Wegen des Festes sind während der Festtage auch Glückspiele für Erwachsene erlaubt. Kinderspielzeug - aus Holz- und anderen Materialien gebastelt - werden  dann feilgeboten. Farbenfroh geschmückte Kinderkarusselle, Märchenerzähler und Sadhus ziehen die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich.

Nauroz ist ein fixer Festtag. Am 21.3. sind Nacht und Tag gleich lang. Die meisten islamischen Fest- und Trauertage verschieben sich jedes Jahr um 10 bzw. 11 Tage. So kann es sein, dass ein islamischer Trauertag gerade auf einen traditionellen Festtag wie Nauroz fällt. Selbst während dieser Trauertage haben die Völker das Naurozfest begangen, indem z.B. die Sadhus den Heldentaten der islamischen Märtyrer huldigten, die Kinder und Erwachsene gerne hörten. 

Trink- und Esskultur des Festes

Haft Sin = Sieben Sachen 

Traditionsgemäß werden Dekorationen und Spezialitäten aus Pflanzen und Nahrungsmitteln zubereitet, die mit dem Buchstaben Sin = S beginnen. Das Wort "Sabs" bedeutet grün.   "Sabsi" = Spinat.

1. Seka = Münze

2. Sendjet = Mehlbeere

3.  Seb = Apfel

4. Serka = Essig

5. Sier = Knoblauch

6. Summaq =  Sumach

7. Samanak = Weizenkeime 

Während in Afghanistan Keimlinge Samanak  genannt werden , heißen sie im Iran  "Samano", Saman e Now =Neue Keime . Auf dem Neujahrstablett sollten ein Fisch in Wasser, Spiegel und Kerzen sowie Grünzeug  nicht fehlen. Dieser Brauch wird in Afghanistan inzwischen selten praktiziert. Zum Verabschieden des Monats Hut = Fische wird hier zum letzten Mal ein Fischgericht zubereitet oder in der  Mahipazi (Fischbratereien) erstanden. Z. B. Spiegel ist als Symbol der Weisheit und Selbsterkennen, aber auch als Symbol der Eitelkeit bezeichnet. 

Spinat und Tschalau (nicht karamellisierter Reis), Fisch und Jelabi (in Öl gebratene Brezen in Zuckersaft ) gehören zum festen Bestandteil der Festtafel. Diese Spezialitäten werden in extra für den Winter errichteten Fischläden angeboten, ganz besonders zum Jahreswechsel. Nach dem Fest werden diese Läden allmählich zu Eisdielen umfunktioniert.

Haft-Mewa = Sieben Früchte

Vor dem Fest werden verschiedene getrocknete Hülsenfrüchte sowie Mandeln, Walnüsse, Pistazien und Nüsse geschält und eingeweicht. Spätestens am Vorabend von Nauroz kommen Rosinen, Sultaninen, getrocknete Aprikosen, verschiedenes anderes Backobst, Mehlbeeren, Wasser und eventuell Zucker dazu. Zu diesem Früchtecocktail sagen die Afghanen: Haft-Mewa (Sieben Früchte).

Zeremonie von Samanak (Weizenkeimlinge)

Weizenkörner werden ca. eine Woche oder länger vor dem Fest in einer Schale zum Keimen gebracht. Am Vorabend des Festes, am letzten Tag des Jahres, 20. oder 21.März  werden die Weizenkeime mitsamt dem Grün (Samanak)  in Mörsern "sieben" Mal zerstoßen und anschließend ausgepresst. Der daraus entstandene Saft wird in einem Topf in der Regel auf offenen Feuer langsam eingekocht. Die Garzeit kann die ganze Nacht hindurch dauern, bis der Saft zu Brei wird. Während dieser Zeit singen und tanzen die jungen Frauen und spielen Tamburine (Handtrommel). Der Refrain lautet:

Samanak dar Djosch ast
Ma Kabtscha sanem

Dochtera dar Chab and
Ma Bussa sanem.

oder

Dochtera derChab and
Ma daptascha zanem

Während der Samanak köchelt
rühren wir den Brei

Während die Mädchen schlafen
küssen wir

Während die Mädchen schlafen
spielen wir auf Tamburinen

Zum Frühstück gibt es dann Samanak mit Zucker und Buttersoße.

Verwandten und Freunde besuchen sich gegenseitig und sagen:
Nauroz shuma Mobarak. (alles Gute zum Neuen Jahr!)

 

Bepflanzungskultur

Zur Tradition des Naurozfestes gehört auch die Bepflanzung des Gartens. An diesem Tag wird symbolisch ein Baum gepflanzt. Um der afghanischen Identität Ausdruck zu verleihen, wurde dieser Tag als "Bauerntag" in Afghanistan proklamiert. Ich finde es sinnvoll, wenn jeder an diesem Tag einen Baum pflanzt. Es tut  Not angesichts der Zerstörungen der immer schon raren Waldstücke und der weiter schreitenden Abholzung in Afghanistan.

Tulpenfest

Im Norden des Landes, im Gebiet von Balch (Baktra), in der heutigen Stadt Mazar-e-Sharif wachsen in der ganzen Gegend, selbst auf den Dächern der Lehmhäuser Tulpen und Osterglocken. Dort wird das Fest an einem Mausoleum begangen, das zu Ehren des vierten Kalifen und Schwiegersohns des Propheten Mohammad errichtet worden ist. Der Volksmund besagt, dass er dort begraben sei.

Ein Lied besingt dieses Fest so: Bia ke borem ba mazar mollah mohammad jan, saile gole lala zar wa wa delbar jan (Mollah Mohammad, mein Liebling, komm mit, wir gehen nach Mazar (Grab), wir bewundern dort die Tulpenpracht, o mein Geliebter).

Jenda Bala Kardan (Maibaum ähnlicher Mast mit Fahnen)

An allen Mandaies (Getreide-Bazaren) wird der Mast mit Jenda (möglicherweise ein Teil eines Kleidungsstücks des vierten Kalifen) aufgestellt. Highlight der Zeremonie ist die Aufstellung des Mastes in Mazar e Scharif. An dem Mausoleum des vierten Kalifen und Schwiegersohn des Propheten wird der Djenda hoch gehievt. Dieser einem Maibaum ähnliche Mast wird mit viel dramatischer Anstrengung aufgestellt. Nach Beten und Rezitieren der heiligen Verse gelingt das Hieven des Mastes schließlich doch. Dies symbolisiert das Leiden des Lebens und preist die Arbeit der Bauern. Die Leute wollen dort von der Kraft des Krans nichts wissen. Der Legende nach soll das Hieven mit Unterstützung (Yari ) von Ali Schere Khoda  (Ali, Löwe des Gottes) und mit der gemeinsamen Kraft der Gemeinschaft dennoch vollbracht werden.

Neugeborene, Verlobte und frisch Vermählte bekommen besonders gute Geschenke. An diesem Tag geborene männliche Babys erhalten den Namen Nauroz. Verlobte und Vermählte bekommen von ihren Familien Naurozi (Geschenke) 

 

"In vielen Kulturen ist das Frühlingsfest zugleich der Jahresbeginn. Auch im westlichen Kalender lag der Jahresbeginn ursprünglich im März, was man an den auf die lateinischen Zahlen zurückgehenden Monatsnamen September (septem = sieben), Oktober (octo = acht), November (novem = neun) Dezenber (decem = zehn) noch heute sehen kann.

In Stuttgart und München gibt es als Ergänzung zu den großen Volksfesten im September und Oktober noch ein kleineres Volksfest im Frühling, welches auch als Frühlingsfest bezeichnet wird. Selbiges gilt für Nürnberg, wobei hier das Frühlingsfest etwa die Größe des Volksfestes erreicht hat." http://fruehlingsfest.traditor.de/biginfo_Fruehlingsfest_303277.html

 

Nauroz e in sal ba hama mobarak. (Ich wünsche allen ein gesegnetes Neues Jahr)

zu weiteren Artikeln : Nauroz