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Schulen der Dari-Dichtung 

afghan-aid

Die Literatur des Dari hat drei große Schulgattungen:

Dari-Dichtung mit klassischer  Versordnung

Rudaki wird als Begründer der Literatur des Dari, nämlich der neu-persischen Sprache und  Jami als "Vollender der klassischen Reimordnung des Dari bzw. Farsi" bezeichnet. Er ist der letzte große Dichter dieser Richtung.

Eraische Schule (Literaturschule in Herat) Übergangsschule

Diese Schule, die während der Timoridendynastie in Herat, z.B. von Asefi  entwickelt worden ist, ist eine neue Gattung der Dari-Dichtung, die sich zwischen den klassischen und post-klassischen indischen Schulen  bewegt. Diese Gattung wird als Übergangsstil bezeichnet. 

Indische Literaturgattung des Dari, der post-klassische Stil

In Nordindien und in Delhi regierten viele Dynastien, die die Sprache Dari  weiter entwickelten. Der Höhepunkt der Förderung der Sprache und Literatur des Dari fand in der Zeit des Moghulreiches, das von Babur gegründet war. Der große Dari-Dichter ist  Mirza Abdul Qadir Bedil Delhawi, der die kulturelle Blütezeit aber auch die beginnende Untergangszeit der Moghuldynastie erlebte. 

Merkmale der indischen Dari-Literatur: Verwendung von paradoxen Begriffen

Obwohl die Verwendung von Paradoxien in der Literatur des Dari bzw. der persischen Sprache nichts Neues ist, erreichte doch die Anwendung von Doppeldeutigkeit und Übertreibung mit Hilfe von Paradoxien,  Dichtomien, Antinomien, Metonymien sowie Allegorien, Personifizierungen und Ausdrücken mit logischen Widersprüchen im indischen Literaturstil des Dari einen Höhepunkt. . 

Der zusammengesetzte Begriff "Kharabat" خرابات besteht aus zwei gegensätzlichen Wörtern, die sich eigentlich nicht vereinbaren lassen. "Kharab" خراب bedeutet etwas wie Verwerfliches, Schlechtes, Amoralisches, Zerstörtes  und das Wort  "abat", das von abad آباد stammt, bedeutet Aufbau, Konstruktion, aber auch Wohnung, Ort und Stadt wie z. B. Islamabad, Haiderabad, Khanabad. (1) 

Kharabat fand in der klassischen Periode des Dari Anwedung und ist in der Literatur des indo-iranischen (gemeinsamen iranisch-tadschikischen und afghanisch-indischen) Kulturkreises viel besungen, insbesondere in der Zeit der islamischen Renaissance ca. vor 1000 Jahren verwendeten die Mystiker dies. Als erster soll der Dichter und Gelehrte der Ghaznawiden, Sanai (ca. 1080-1152) davon Gebrauch gemacht haben. Er brachte einen neuen Aufschwung in die mystische Dichtung. Auch Attar und der in Balch geborene Rumi machten davon Gebrauch. Für sie bedeutete der Begriff  „Kharabat“ soviel wie „Schenke“, „Taverne“, „Welt“ und „Meditationszentrum“. Durch die Schaffung einer solchen religiösen Enklave, in der die Menschen mittels "amoralischer Dinge" wie Weintrinken, Musizieren, Singen und Tanzen "ihre Hingabe" zu Gott zum Ausdruck bringen und durch geistige Versenkung mit Gott eine geistige, ja gar persönliche Vereinigung durchleben können, fanden die Mystiker einen unangreifbaren Ort, der von religiösen Fanatikern verschont blieb. Hier konnte musiziert und gesungen werden. Sonst waren in solchen Regionen, in denen die musikfeindlichen Fanatiker regierten, Musik und Tanz verpönt. So hat Rumi einige Instrumente wie Rubab, Tschang (Harfe), Daf (Trommel) und Tar (Saiteninstrumente) gerettet und selbst den Tanz zu einem Teil der islamischen Mystik gemacht. 

Die indische Richtung des Dari ist einen Schritt weiter gegangen. Tanz, Musik und Gesang gehörten zu zentralen Bestandteilen der zoroastrischen und hinduistischen  Glaubensrichtungen. 

Nach der Niederlage der Samaniden wanderten viele Menschen, darunter viele Dichter nach Westen und Süden aus; so auch der Vater des in Indien geborene Amir Khossrau Dehlawi, der von Balch nach Patiali, in der Nähe von Delhi ging. Hier konnten Musikrichtungen wie Naqsch und Gul entstehen und somit konnten die Lieder mit "verpönten" Musikinstrumenten gespielt werden.

In der Kabuler Altstadt gibt es ein Musikviertel unter dem Namen von Kharabat. Dank dieses Ortes wurden viele Musikinstrumente des Kulturkreises wiederbelebt. Hier lebten und leben nicht nur die Musiker, die nicht nur die Lieder der indischen Dari-Dichter wie Amir Khossrau Dehlawi Mirza Abdul Qadir Bedil Delhawi spielen , sondern es gibt hier auch viele Werkstätten, in denen die typischen Musikinstrumente der Region wie Rubab, Nai, Tamburine, Saiteninstrumente gebaut werden .

Der große Interpret der indischen  Richtung war  Sarahang.

  (1)Das stimmhafte Phonem "d" wurde im Auslaut im Laufe der Zeit auch in der Schriftsprache zum stimmlosen Phonem "t". Ferner wird bei Zusammensetzung von zwei Wörtern  entweder das Auslaut eines ersten Wortes oder das Anlaut des zweiten Wortes, wenn sie gleich klingen, getilgt.  Daher lesen wir hier [Kharababat], geschrieben wird [Kharabat] (siehe Sandhi ).