Afghanen mit christlichen Glaubensrichtungen
Christen in Afghanistan

afghan-aid
In Afghanistan gab und gibt eine christliche Minderheit. Allerdings praktizieren sie ihre Religion wegen der Eigen- oder Fremdwahrnehmung nicht öffentlich. Hier einige Gründe für die Existenz christlicher bzw. orthodoxer Konfessionen.

I. Geschichtlich gesehen lebten in Afghanistan vor und während der Kuschano-Sassaniden-Dynastien (50 v. Chr. – 6. Jhd. n. Chr.) nach der griechisch-baktrischen Zeit Christen und zwar orthodoxe Christen. Die Kuschanen, selbst Anhänger von Zarathustra, konvertierten zum Buddhismus und waren tolerant gegenüber anderen Religionen wie Brahmanismus, Christentum und Zoroastrismus.

Z.B. waren an den Kuppeln der zwei 53 m bzw. 35 m  großen Buddha-Statuen in Bamian christlich beeinflusste Abbildungen, die wir auch in Malereien finden können, die Christus-Abbildungen darstellen. Charikar und Istalif (griech. Istafil =Weintraube) sind Namen eines des reichsten Weingebietes des Landes, das seinen Namen Alexander dem Großen verdankt. Den Bewohnern wird nachgesagt, dass sie nicht initiiert werden.

II. Bis zu der Zeit von Amir Abdul Rahman Khan lebten in der Region von Kafiristan Christen, die als Heiden bezeichnet wurden. Nach der Islamisierung vor hundert Jahren nannte Amir Abdul Rahman Khan Kafiristan (Land der Heiden) in Nuristan (Land des Lichtes) um. Die Nuristani bezeichnete man als Nachkommen Alexanders des Großen, da sie blauäugig und blond sind und sie machen alle von Tischen und Stühlen Gebrauch. Auch hier gibt es Zweifel an diese Behauptung, da es auch in anderen Gegenden wie in den Tälern der Hindukuschsgebirgskette wie z.B. Pandjschir-Tal viele blauäugige und rothaarige Menschen gibt.

III. In der Zeit des Königs Amanullah Khan sind viele afghanische Studenten zum Studium nach Europa bzw. nach Deutschland gekommen, von denen viele mit ihren ausländischen, deutschen bzw. christlichen Frauen nach Afghanistan zurückkehrten. Bezeichnend für diese Generation ist, dass ihre Kinder in der Gesellschaft religiös assimiliert waren, während zuhause die Religion der Mütter praktizierten.

IV.Bis in der Zeit der sowjetischen Besetzung Afghanistans kamen eine Reihe von u.a. in Amerika, Europa und vor allem in Deutschland geborene Kinder afghanisch-ausländischer Eheleute nach Afghanistan, vor allem nach Kabul. An der Flughafenstraße, unweit des Gebäudes von Radio Afghanistan gab es eine orthodoxe Kirche. Bibelübersetzungen in Dari bzw. Farsi gab es seit längerer Zeit in Afghanistan. In der Zeit der russischen Besetzung ist allmählich die Mehrzahl der Christen afghanisch-europäischer bzw. deutscher Abstammung nach Europa bzw. Deutschland immigriert.

V. In der Zeit der Taliban soll es auch Christen gegeben haben, mit hoher Wahrscheinlichkeit die Mitarbeiter von „Shelter now“. Nach der Verhaftung einiger Mitarbeiter waren auch ca. 16 bis 24 www.ref.ch/rna/meldungen/5957.html afghanische Aktivisten verhaftet worden und die Todesstrafe angedroht. Was aus diesen Afghanen geworden ist, weiß ich leider nicht. Dass es in Afghanistan inzwischen Bibel in den verschiedenen Landessprachen (Dari und Paschto) gibt, weiß ich genau, da ich im März 2001 in Peshwar war. Auf meine Frage, ob die Shelter Now-Mitarbeiter/innen tatsächlich missionierten, (was ihnen vom Taliban-Regime vorgeworfen wird) erwiderte ein afghanischer Shelter Now-Mitarbeiter, dass er ihnen lediglich helfe, christliche Literatur - darunter die Bibelübersetzung -in Sprachen in Afghanistan über die Grenze ins Land zu transportieren. Er war der Ansicht, dass Shelter Now-Mitarbeiter Afghanen mit Bibelübersetzungen beschenkten, und dass möglicherweise einige Afghanen wegen des Liedersingens, der Hilfestellung bei religiösen Zeremonien und aus Dankbarkeit bei der Shelter Now mitmachten. Auch einheimischen Christen. Dazu kommen die ausländischen Mitarbeiter von NGOs sowie die ausländischen Truppen, Geschäftsleute usw., die allerdings nicht dazu gerechnet sind.


VI. Eine genaue Statistik über die einheimischen Christen in Afghanistan ist nicht vorhanden. Allerdings soll nach folgenden Internet-Seiten
www.aims-germany.de/vgp/profile/7.htm,
www.igfm.de/religion/000820ci.htm
www.offene-grenzen.de/afghanistan.html

ca. 0.1% der Bevölkerung Afghanistans einheimischen Christen sein. 0,9% sind die Afghanen mit hinduistischer Glaubensrichtung. Sollte die Einwohnerzahl Afghanistans 26 Mio. sein, so sind 26.000 Einheimische Christen, die im Geheimen ihren religiösen Verpflichtungen nachkommen. Wie viele von ihnen konvertiert und missionarisiert sind, kann ich leider nicht sagen.

„Das Christentum in Afghanistan – gestern und heute
Bis zur islamischen Eroberung im 7. Jahrhundert gab es in Afghanistan blühende christliche Kirchen der Nestorianer. Im Lauf der Geschichte ist das christliche Zeugnis unter den Afghanen nie ganz verstummt, auch wenn am Ende des 19. Jahrhunderts die armenische Gemeinde Kabul verlassen musste, da durch die anglo-afghanischen Kriege die Sicherheit der Christen nicht mehr gewährleistet war.
Afghanen, die in christliche Krankenhäuser im Iran und entlang der afghanischen Grenze zu Pakistan kamen, hörten das Evangelium und nahmen christliche Literatur mit ins Land zurück. In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde einem Konsortium christlicher Hilfswerke und Missionen erlaubt, im Rahmen von Entwicklungshilfemaßnahmen im Land tätig zu sein. So wurden verschiedene Entwicklungsprojekte aufgebaut und den Afghanen in praktischer Weise die Liebe Gottes in Jesus Christus bezeugt. Ein augenmedizinisches Projekt und andere Entwicklungshilfemaßnahmen werden bis in unsere Tage weitergeführt.
Im Rahmen verschiedener Hilfsprojekte arbeiten also auch heute noch Christen in Afghanistan, wie z. B. in einem Projekt für Solarkocher, einer Mutter-Kind-Klinik, sowie in Therapie- und Reha-Maßnahmen für Kriegs- und Minenopfer; auch gibt es eine Arbeit unter Lepra- und Tuberkulosekranken und ein Hilfsprogramm, in dem Arme für eine Mahlzeit beschäftigt werden. Auch wenn der christlichen Verkündigung durch die Regierenden Grenzen gesetzt sind, sind gerade solche Entwicklungsprojekte unter schwierigsten Voraussetzungen ein lebendiges Zeugnis und Zeichen der Hoffnung in einem Land, das so entsetzlich von Leid und Elend gezeichnet ist.
Die Existenz einheimischer christlicher Gemeinden ist nicht erlaubt, dennoch gab es durch die Jahre immer wieder vereinzelte Christen und kleine Gruppen, die im Evangelium Jesu Christi Hoffnung, Trost und Lebenssinn gefunden haben. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, dennoch gibt es Berichte von erstaunlichen Bekehrungen. Oft spielen Träume und Visionen, in denen Jesus Christus den Menschen begegnet, eine bedeutende Rolle.“

Aus: Internet-Seite
www.ead.de/gebet/weitere/30/afghanistan/islam_afghanistan.htm br /
www.orientdienst.de/Erfahrungen/Pioniere/Afghanistan/afghanistan.html

Schreiben eines afghanischen Christen an die BBC über die neuen Verfassung (Übersetzung ins Dari bzw. Farsi von Dr. Mir Hafizuddin Sadri

BBC , 15.12.2004 – aus der Rubrik „Ihre Meinung ist gefragt“


Bitte veröffentlichen Sie unsere Stimme den Staatsmännern Afghanistans, die für die Politik des Landes verantwortlich sind. Wir Afghanen mit christlichem Glauben, Tausende an der Zahl, leben verstreut in der ganzen Welt.


Trotz unserer Bemühungen steht uns kaum jemand bei. Wir stammen aus den afghanischen Völkern wie Tadschiken, Paschtunen, Hazara, Usbeken und Turkmenen und sind in Afghanistan geboren. Unser Gott hat uns einen Willen geschenkt und wir befinden uns auf der Himmelsfahrt durch Christus, unseren Vater. Wir werden von manchen als „Heiden“, „Ungläubige“ und „Gottlose“ gebrandmarkt.


In der Vergangenheit haben wir bittere Erfahrungen gemacht. Doch wir sind überzeugt, dass wir von Gott geschaffen sind und unser Herr Jesus Christus ist. Wir sind stolz, Afghanen zu sein, und wir sind dankbar, dass Jesus uns seinen Weg gezeigt hat.


Hossein Anderas Khan Memphis, USA