Musik und Musikinstrumente

Musik-Geschichte 

Neue Musik

Moderne Musik

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Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder . (deutsches Sprichwort)

Geschichte der Musik

Dichtung und Lieder, Musik und Literatur, Riten und Bräuche sind auch heute noch in Afghanistan eng miteinander verbunden. Als die letzten Züge der Völkerwanderung um ca. 1500 v. C.  in vorgeschichtlicher Zeit aus Ariana, dem Gebiet des heutigen Afghanistans und Irans (erst seit 1934 ist Iran der offizielle Name, davor war es Persien) nach Süden abklangen, siedelten sich die Menschen in Baktrien mit der Hauptstadt Baktra an, in der der Auftakt der Kunst-, Kultur und Literaturgeschichte des Landes Ariana begann. Das Land soll einst die Heimat des viel besungenen Sonnenkönigs Yama Padscha gewesen sein.

Zardusht begründete in Baktra (Balch) seine Lehre trotz des Widerstands der poly-theistischen Antagonisten. Sie entwickelte sich allen Anzeichen nach erst später zur Zeit der Achaimeniden (8. Jahrhundert v. C.) bis zu der der Ghaznawiden (11. Jahrhundert n. C.) zu einer der  National- und Staatsreligionen des Landes . Über die Geburts- und Todedaten, sowie über sein Leben und Wirken sind keine eindeutigen und übereinstimmende Informationen vorhanden. Nach umstrittenen Hypothesen der Archäologen soll der Schmied des Zoroastrismus zwischen dem 13. und 6. Jh. v. C. die Welt erblickt haben. Baktrien wurde zur Hochburg des Zoroastrismus. Die durch vorhandenes Erdgas gespeisten "ewigen Flammen" dienten als rituelle Feuerstellen. Dies war auch verantwortlich dafür, dass die Anhänger des Zoroasters als "Feueranbeter" bezeichnet wurden. Feuer gehörte mit zu den vier Grundelementen des Lebens (Wasser, Erde, Wind und Feuer), denen Zoroaster Ehrfurcht zollte. Enorme Bedeutung gewann die Lehre, als die Perser das Land eroberten und die Hachamanischa (gr. Achaimeniden  8. - 3. Jahrhundert v. C.) diese Lehre zur Staatsreligion erklärten. Die sog. Reformation der Lehre im Persischen Reich wird als Parsismus bezeichnet. 

Awesta, das alte Buch der Lieder schlechthin, besteht aus überlieferten Erzählungen, Sagen und Gesängen, aber auch aus vermutlich später in der eigenen Sprache des Landes verfassten Hymnen, deren Reste in der Keilschrift der Hachamanischa erhalten geblieben sind. (Diese Tradition existiert auch heute noch in Afghanistan, dass Dichter ihre Gedichte und Lieder mündlich vortragen, weil sie selber nicht lesen und schreiben können. Berühmt für diese Tradition sind die Gebiete um Balch, Badachschan und das Panschir-Tal, aber auch Dichter der Paschtu-Sprache). Awesta ist nicht nur das heilige Buch, sondern auch das erste literarische Buch der arianischen Völker überhaupt. Gâthâ (wörtlich Lied) ist die aus fünf Kapiteln bestehende Urschrift von Awesta. Die Altschrift wurde von links nach rechts geschrieben.

Bekanntlich gilt der Prophet im eigenen Land nichts. Nach diesem Motto wurde Zarathustra und seine Weltanschauung zunächst mehr im Ausland als in seinem Geburtsort bekannt. Die Griechen gab ihm den Namen Zoroaster (aster bedeutet Stern) und schätzten ihn als Astronom und Philosoph, als um 330-327 v. C. Alexander der Große Ariana in Richtung Indien durchquerte. 250-125 v. C. dominierte ein griechisch-baktrisches Königreich. Der König von Baktrien und Kabul, Meanander, zog nach Indien. Insbesondere in der Zeit der Kuschanendynastie aber auch in der zoroastrischen Sassaniden-Dynastie, die mit zum Buddhismus konvertierten Kuschanen eine Art Konföderation gebildet hatten (1.-7. Jh. n. C.),  war das Land das Zentrum der drei bis vier großen, zoroastrischen,  buddhistischen, griechischen, brahmanischen Kulturen. Brahmanismus erlaubte die Huldigung von  verschiedenen hinduistischen Göttern. Mit Musik, Gesang und Tanz gingen die Gläubigen den rituellen Verpflichtungen nach. Bei  traditionellen Festen wie dem Naurozfest (Frühlingsanfang), das damals am 15. Hut (Fisch), also 6. März statt am 21.3. (1.Hamal = Widder) gefeiert wurde oder dem für die indoeuropäischen Völker typische Herbstfest bzw. Oktoberfest (Djaschne Mehregan, Djaschne Mizan - das Ernte-Dank-Fest), sollten Musik und Tanz nicht fehlen. 

So gesehen kennen die Menschen seit Jahrtausenden Musik und Musikinstrumente. Die Städte und Provinzen wie Baktra (Balch), Areia (Herat), Ghandhara (Kandahar), Kabul und Bamian waren einst bedeutende Kulturstätten. Leben und Musik waren sehr eng miteinander verbunden. Ohne Musik und Musikinstrumente waren damals die meditativen Zeremonien undenkbar. Der Zoroastrismus  kannte eine Reihe von mit Gesang und Klang zelebrierten Riten und Kulte. 

Die Blütezeit der Kunst- und Musikentwicklung lag in der Zeit der Kuschanen- und Kuschanen-Sassaniden-Dynastien (1.-7. n. C.), die die Bekehrung der Andersgläubigen entschieden ablehnten und die bestehenden Sitten und Gesänge des Zoroastrismus, das griechisch-baktrische Kunsthandwerk (250-120 v. C)  und die hinduistische Musik und deren zu ihrer Weltanschauung fest verankerten Tänze duldeten. Die Zeit von 144-172 n. C. wird allgemein als "Zeit des Friedens" bezeichnet, in der die Idee der Toleranz für eine kurze Zeit verwirklicht wurden. Auch für Kabul-Shaian (sie von 7. bis 10. Jahrhundert regierten von Kabul aus) war die Tanzmusik ein integraler Bestandteil ihrer hinduistischen Religion.

Als Material zum Bau von Musikinstrumenten diente Holz, Harz, Fell, Darm, Pflanzenfaser und Elfenbein. Auch der Handel mit Musikinstrumenten florierte durch die Seidenstraße. Durch die stetige Vereinigung der alten Kulturen mit den neuen sind weitere Musikrichtungen und Musikinstrumente entstanden. Auch deshalb ist die afghanische Musik mannigfaltig, vielschichtig und farbenfroh.

Immer wieder haben auch die islamischen Dichter und Denker dieses Kulturraumes versucht, die Idee der Toleranz, Menschlichkeit und Liebe in den Vordergrund ihrer Dichtung und Kunst zu rücken. Eine Renaissance der alten kulturellen Werte spiegelte sich  in den Werken der großen Dichter wieder, die zwar in der um 4 Buchstaben erweiterter arabischer Schrift, aber in der Sprache Dari (alt- und neuiranische Hofsprache)  schrieben. Ibn Sina (Avecinna) beschäftigte sich wissenschaftlich mit Metrik und Reim sowie mit Musik und  Musikinstrumenten. Die ebenfalls in Balch geborene Rabia Balchi zählt im 10. Jahrhundert als erste Frau zu den berühmtesten Dichtern jener Zeit. Die Verse der Dichter der Saffariden (872 bis 910), Samaniden (892-999) und Ghaznawiden.(962-1148) bereicherten die Lieder der Musikanten und Straßenmusiker und -dramaturgen. Zu den Meisterwerken im Maßstab der Weltliteratur sind die Werke von Rudaki, Nezami, Biruni, Djami,  Daqiqi, Khaiam, Hafis und Sadi zu zählen. Als "Homer des Orients" wurde Ferdaussi (Ferdousi) bezeichnet. In seinem Schanama (Königsbrief bzw. Königsbuch) ist die ganze Kulturgeschichte in Lied- und Versform in der Sprache Dari bzw. Parsi gewürdigt. Dobeiti (zwei Zeiler) und Vierzeiler (Tsdcharbeiti) waren zum Reim des Volkes erkoren. Selbst in den entlegensten Regionen des Landes finden wir Lieder, die auf traditionellen Musikinstrumenten gespielt werden. Oft sind die Instrumente schlicht gebaut und bestehen aus einer einzigen Saite.

Landei ist das Minnelied der Paschtunen, in dem Heldenmut und Tapferkeit  besungen wird. Minna bedeutet auf Paschtu "Liebe" und besang ursprünglich die Tugenden, die eine Geliebte von ihrem Liebhaber verlangte, vergleichbar mit dem Minnesang der germanischen Sprache im Mittelalter. Diesen Gesängen ist es zu verdanken, dass die für die nativen indo-iranischen Wörter typischen Buchstabwn "P" "J", "G" und "Tsch" im Paschtu in einer großen Anzahl erhalten geblieben sind. Nicht zu vergessen ist die Tanzmusik und der Volkstanz (Atan) der Paschtunen, der sich zum afghanischen Nationaltanz entwickelte. Unabhängig von ihrer ethnischer Zugehörigkeit begeben sich die Festgäste zur Tanzfläche und schließen sich den Tänzern an, in Kabul tanzen auch die Frauen, wenn am Schluss der Feierlichkeiten die Musiker die Tanzmelodie erklingen lassen. 

Der Universalgelehrter dieses Sprachraumes, Mawlana Djalaluddin, genannt Rume, ist am 30.9.1207 n. C. in Balch geboren und am 17.12.1273 im türkischen Konya gestorben. In seinen Werken, die er im Exil in der Hofsprache Dari verfasste, hob er die Bedeutung des Gesangs, der Kunst, der Musik und der Malerei für die Erhöhung der Lebensqualität hervor. Er war der Auffassung, dass Musik, Kunst, Tanz und Gesang sowie die Arbeit und das Handwerk unmittelbare Medien für die geistige Entwicklung des Menschen sind. Mittels dieser Medien versuchen die Menschen, sich dem Erhabenen anzunähern und sich mit ihm zu einen. In seinem Diwan Schams e Tabrizi hat er die typisch afghanischen Musikinstrumente wie die  Nomadentrommel, Tabl (Trommel), Tschang (Mundharfe), Tar, Tanbur, Sorna und Rubab verewigt. Ferner versuchte er die Bedeutung der Stellung der Künstler und Maler und speziell der Musiker,  u.a. der Rubabi (Rubabspieler), wiederherzustellen. In zahlreichen seiner über 42000 Versen preist er wiederholt Kharabad, jene Künstler- und Musikerviertel der alten Zeiten, die z. B. in der Altstadt Kabul zwar den fremden Eroberungen und Angriffen standhielt, nicht aber den eigenen "Brüderkriegen". Die Bewohner der Türkei, Tadschikistans, Irans und Afghanistans sind stolz, gemeinsam einen derart berühmten Dichter zu haben. (Diwan Schams Tabrizi, Separ Verlag, Teheran, 1363 h = 1984 n. C.). 

Die Musik auf dem Boden des Landes war und ist von der epischen und speziell von der lyrischen Dichtung geprägt. Der dramatischen Dichtung wurde von unseren Großen keine besondere Bedeutung beigemessen, auch wenn ihre lyrische und epische Dichtung dramatische Züge enthielt. Geschichtsstoff für Dramen und Theatermusik gab es und gibt es genug, insbesondere in dem Königsbuch (Schahnama), welches aus vier Kapiteln besteht, die die vier Kapiteln der iranischen Geschichte beschreiben.   

Die damaligen wüsten Herrscher besaßen wenigsten eine gewissen Takt für Reim, Rhythmus und Metrik, weil sie nach der Zerstörung des alten kulturellen Erbes wenigsten neue Kulturgüter errichten wollten.

 

Neue Musik

Auch heute spielt in Afghanistan die Musik eine bedeutende Rolle. Musikanten spielen und singen auf Festen wie z. B. bei Namensgebung, Beschneidung, Verlobung und Hochzeit. Während die Dorfmusikanten auf den traditionellen Instrumenten spielen und Volkslieder singen, treten in den Städten, insbesondere in Kabul,  Musikergruppen verstärkt mit modernen Musikinstrumenten wie Harmonia, Tabla, Keyboard und elektrischen Gitarren auf und tragen Liebeslieder, mystische Lobesgesänge und afghanische Schlager vor.

Die großen traditionellen Festtagen wie das Naurozfest (Frühlingsanfang) und das Herbstfest (Jaschne Mizan bzw. Jaschne Mehragan) ermöglichen Auftritte für Musikanten und Sänger vor einem größeren Publikum. Die Verlegung der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten vom 28.Feb.1919 auf die Herbsttage in Afghanistan kam der Bevölkerung  ganz gelegen. Auf  Tschamand e Ozori (einer großen Wiese im Osten Kabuls) sangen, spielten und tanzten die Musikanten für ein aus den verschiedenen Gegenden Afghanistans nach der Ernte angereistes Publikum. Hier boten die Musiker, Schausteller und Künstler zwei bis drei Wochen lang ihre Kunst und ihr Können dar, während die Bauern und Handwerker ihre Waren feilhielten.

Mit der Gründung von Radio Kabul ( später Radio Afghanistan) erhielten die Musikanten des Landes eine Chance, ihre Musik einem noch größeren Publikum zugänglich zu machen. Die Musik von Kharabad bis Logartal, von Balch bis Herat, von Salang bis Panshir-Tal strahlte Radio Afghanistan in die entlegensten Gegenden aus. Radio Afghanistan, dessen Intendant und später sein Präsident das Allroundtalent Abdul Ghafor Breschna war, trug zur Bildung einer Musikergruppe mit traditionellen Instrumenten bei. Der Komponist, Dirigent, Dramaturg, Pädagoge und Sänger Breshna förderte eine Gruppe von jungen Musikern und Sängern, darunter die erste afghanische Frau, die je öffentlich sang. Ostad Mermon Parwin war auch die erste afghanische Frau, die den Titel "Ostad" (Meisterin) erwarb. Eine der bedeutendste Leistung des Gelehrten war die Gründung eines Orchesters. Breshna  selbst  spielte die traditionellen Musikinstrumente und sang Folklore; somit trugen er und seine Schüler und Schülerinnen zur Professionalisierung der afghanischen Musik bei. Unter Pseudonymen strahlte Radio Afghanistan die Hits derjenigen Musiker aus, die  befürchteten, mit dem Ausdruck Kharabati stigmatisiert zu werden. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass Breshnas Verdienste darin lagen, nicht nur junge Leute für die gesellschaftlich nicht allzu sehr geachteten Künstler- und Musikerberufe zu gewinnen, sondern er suchte auch die sozialen und gesellschaftlichen Schranken u.a. des Kharabad-Viertels zu überwinden. Radio Afghanistan spielte regelmäßig die klassische europäische Musik ebenso wie indische Klassik.

Exkurs: Breshna lehrte ehrenamtlich in der Amani-Oberrealschule, als die deutschen Lehrkräfte wegen des 2. Weltkrieges abzogen. Danach war er für drei Jahre selbst Rektor der Schule. Er schaffte die körperliche Züchtigung in dieser Schule ab. 

Kharabat (bedeutet Gaststätte, Schenke) in der Altstadt von Kabul ist das äußerlich ärmliche Musikviertel, welches jedoch hervorragende Meister der afghanischen Musik hervorbrachte, Nachwuchs ausbildete und die Kunst von Bau und Wartung der traditionellen Musikinstrumente fortsetzte. Einer der bedeutendsten afghanischen Musiker im 20. Jahrhundert ist Ostad Sar Ahang, der nicht nur den Titel Meister erlangte, sondern dem auch der höchste Titel Baba e mosiqi (Vater der Musik) verliehen wurde. Er war nicht nur Musiker, sondern auch der Interpret der Gedichte und Lieder der großen Dichter u.a. von Behdel, der in indischer Versform dichtete. Die Musikvielfalt reicht von der afghanisch-indischen Klassik bis zur Moderne und Volksmusik. Die Musiklieder sind sehr stark durch die  indische Versform und die Musik von der indischer Richtung beeinflusst.

 

Moderne Musik

In den 60er und 70er Jahren gab es im Radio Afghanistan auch Platz für die modernen afghanischen Sänger. Der bekannteste und beliebteste Sänger, Ahmad Zaher, versuchte die melancholische Musiktradition mit positiv ausgerichtetem Klang und optimistischen Gedichten zu ergänzen. Gegenseitige Reisen der Musiker zwischen den Nachbarstaaten, wie Iran, Tadschikistan und Indien brachten eine neue Qualität in die afghanische Musikrichtung. Iranische Sänger und Sängerinnen sangen die Lieder der Afghanen, und Afghanen sangen die iranischen Hits. Hier hatte die Bevölkerung zum ersten Mal die Musiker live gesehen. Vor der Gründung des Fernsehens im Jahre 1978 waren es Schallplatten und Kassetten, auf denen die Sänger und Sängerinnen ihre Lieder veröffentlichten.

Zarandoi, die afghanischen Pfandfinderorganisation, spielte bei der Verbreitung von Musik und Liedern in Kabul eine bedeutende Rolle Hier sangen sie von der afghanischen Folkolore hin bis zu modernen Pfadfinder-Liedern. Mehrere Musikgruppen sind seit der Gründung der Organisation Anfang der 60er Jahre entstanden.

Die Republik Österreich übernahm das Patronat einer Musikschule in Kabul. Zunächst war die Schule im Gebäude der Amani-Oberrealschule untergebracht (in der Regierungszeit vom König Zaher Schah in Nedjat-Oberrealschule umbenannt). Anfang der 70er Jahren ist die Schule von der Stadtmitte an die Peripherie von Kabul umgezogen. Dank dieser Schule lernten eine große Anzahl junger Menschen Tonleitern,  Noten und die klassische Musik. Sie trugen dann zur Professionalisierung der typischen afghanischen Musik bei.

Das im Jahre 1978 gegründete Fernsehen ermöglichte es auch den volkstümlichen Sängern, ihre Lieder zunächst stadtweit vorzutragen. Die dunkelsten Kapital der afghanischen Geschichte sind und bleiben die Regierungszeit der "Batsche Saqa" (1929-1930) und die Zeit 1996-2002.

 

 

Yaktar, Dotar, Setar, und Sitar Rubab

Yak (eins) do, du (zwei) Se (drei) Si (dreißig) sind indo-iranische Zahlen auf Dari.  Tar ist die Bezeichnung für Faden oder Saite. Die Saiteninstrumente benannten die damaligen Bewohner des Landes, in dem sie eine Zahl mit dem Wort Tar  kombinierten. Der aus dem Holz des Maulbeerbaums geschnitzte Korpus der Saiteninstrumenten wird mit Elfenbein ornamentieren. Die aus Darm und Pflanzenfasern geformten Saiten liegen ebenfalls auf dem aus Elfenbein hergestellten Sattel und Steg. Desgleichen werden Hals und Kopf der Instrumente mit allerlei Ornamenten verziert.

Robab, Rubab oder Rebab

Rubab, Rabab oder Rebab, provinzweise verschieden ausgesprochen, ist die arabische Bezeichnung jenes Instruments, das höchstwahrscheinlich vor der Islamisierung des Landes Setar (drei Faden) oder Sitar (dreißig Faden) genannt wurde. Rubab ist eine Zusammensetzung aus zwei arabischen Wörtern. Das  Wort Ruh bedeutet Seele oder Geist und Bab wird auch als Tor, Tür oder Kapitel übersetzt. Die Buchstabe "h" ist bei Rubab getilgt worden. Manche Dari-Sprecher haben es schwer, die Buchstabe H vollständig auszusprechen. Das ist möglicherweise die Erklärung dafür, warum h fehlt und dennoch die Rubab in Afghanistans als "Tor zur Seele" bezeichnet wird.

Die Rubab besteht aus zwei Klangkörpern. Der doppelte Resonanzkörper wird aus dem Stamm des Maulbeerbaums gebaut, dessen Holz dunkelgelb ist. Der 1. Klangkorpus ist mit einem Ziegenfell bespannt, der zweite Korpus, dem der relativ kurze Hals und Kopf folgt, wird mit Elfenbeinstücken ornamentiert. Das kurzhalsige Instrument hat insgesamt 19 Saiten:  für die Melodie drei Hauptsaiten nebst drei Nebensaiten und für das Zupfen 13 Saiten.  

Bei genauer Betrachtung fällt einem auf, dass zwischen Rubab und Sitar gewisse Affinitäten bestehen. Die Zapfen der beiden Instrumente sind auf der selben Seite und die drei Melodiesaiten auf dem Instrumentenkopf befestigt. Beide Instrumente sind mit 19 Wirbeln bestückt, wobei die Anzahl der Hebelschrauben der Sitar heute zwischen 18 bis 21 variieren, was auf die Weiterentwicklung des Instrumentes hindeutet. Der Zwischenraum zwischen dem doppelten Korpus der Sitar ist größer geworden, der zweite Korpus ist beinahe verschwunden, bei der Rubab ist er immer noch gleichgeblieben. Es gibt viele Variationen von dem Instrument Rubab. Der Vielfalt ist geographisch und epochal zu erklären. 

 

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