zurück

Nasser Khossrau

 Meister der Sprache Dari

afghan-aid
 

Nasser Khossrau Meister unserer Sprache Dari bzw. Meister der Muttersprache

 

Nach einem Regierungsbeschluss Tadschikistans soll die Hommage für den 1000jährigen Geburtstag des Farsi-Dichters Nasser Khossrau (1003-1078 n. Chr.) im September des laufenden Jahres zusammen mit den Unabhängigkeitsfeierlichkeiten durchgeführt werden. Aus diesem Anlass wird auch in Kharogh, der Hauptstadt von Badachtschan, ein Gedenktag für Nasser Khossrau veranstaltet.

Nasser Khossrau wurde in der tadschikischen Stadt Qubadian geboren und lebte während der Ghaznaviden- und Seldschukken-Dynastien. Er stand den letzteren kritisch gegenüber. Er bereiste fast 7 Jahre lang die heutigen Staaten Afghanistan, Aserbaidschan, Iran, Syrien, Palästina und Irak und lebte für zwei Jahre in Ägypten. Nach jahrelanger Flucht und Verfolgung durch die jeweiligen Monarchen starb er in Yomagan in der afghanischen Provinz Badachtschan. Das Grabmahl des Gelehrten liegt in Afghanistan. 

Prof. Dadkhoda Karam Schaef zitierte aus einem Gedicht des „Vaters der Wissenschaft von Tadschikistan“: 

Original in der Sprache Dari

 "Man anam ke dar paye khokan narezam

 Mara en qimati dar haft lafze Dari ra"

 Übersetzung:

 „Ich bin derjenige, der nicht den Machthabern huldigt,

 ich schätze die sieben Prägungen der Dari-Sprache.“

Über das literarische, wissenschaftliche und kulturelle Wirken sowie über die Reiseberichte und Weltoffenheit des „Hakims“ (Genies) aus dem 11. Jahrhundert nach Christus gibt es in den Staaten des Farsi sprechenden Sprachraums (Tadschikistan, Iran, Afghanistan, Pakistan) sowie in anderen Ländern wie Russland, Frankreich und England zahlreiche Werke.

Alle Forscher weisen auf die Sprachkenntnisse des iranischen (Kulturkreis gemeint) Gelehrten aus Chorassan in Bereiche der Linguistik, Rhetorik, Metrik, Etymologie und Stilistik mit Beispielen hin. Seine humanistische Lehre wurde in der Sprache der Bevölkerung verfasst, die sie verstand. Somit fühlte sie sich mit ihm verbunden. 

Generell gehen viele Experten davon aus, dass nach den klassischen Sprachperioden (Tadschikisch, Farsi und Dari), deren Vertreter Gelehrten wie Rudaki, Ferdaussi und deren Schüler sind, und nach den Dynastien der Samaniden die Nachkommen sich allmählich von ihrem eigenen Ursprung, nämlich der Sprache des Volkes und Hofes entfernten und komplizierte Wortbildungen und -anlehnungen nachahmten, die das Volk nicht mehr verstand. 

Nasser Khossrau, der autodidaktisch die Altsprachen Griechisch und Arabische gut beherrschte, war mit der Philosophie und Religion der nichtislamischen Kulturkreise gut vertraut. Lassen wir ihn selbst über sich sprechen: 

„ Ich studierte das islamischen Recht meiner Epoche und konnte 800 verschiedene Interpretationen feststellen. (...) Hier vergingen weitere 15 Jahre. Danach fing ich an, „Tertiäre Sprachen“ (Fremdsprachen) d.h. Moses Tora , Messias Bibel, Dauds Zabur zu lernen. (...) Darüber hinaus befasste ich mich mit der Logik, den Großen Naturgesetzen, mit Medizin, Arithmetik und Politikwissenschaft (...)“ 

Daher kann man den Schluss ziehen, dass der Gelehrte sich die nicht-islamischen Lehren und Weltanschauungen wie Christentum, Buddhismus usw. in der Primärliteratur aneignete. In seinen Postulaten, Erörterungen und Ideen sind sie versinnbildlicht. Er spiegelte sie in dem der Bevölkerung leicht verständlichen tadschikischen Farsi wider. 

Es ist interessant, dass - dem weltoffenen Kosmopoliten zufolge- die Inhalte und Ziele in den verschiedenen heiligen Büchern übereinstimmen und sich solidarisieren. Der Hauptunterschied liegt in dem Gebrauch der sprachlichen Ausdrücke. Diese tolerante Ansicht von Nasser Khossrau ist in leichtverständlicher Sprache in seinem Werk „Waj e Din“ („Methoden, bzw.„Antlitz“ bzw., „Modus“ der Religion“) niedergeschrieben: Zwischen Tora, Bibel und Koran existieren nach der Tiefenstruktur keinerlei Unterschiede. Die Unterschiede in der Oberflächenstruktur wie in der Akzentsetzung, Dekodierung und Deutung. Daher sind bei Römern die Bibel und bei Juden die Tora und bei Hindus die Abrahams Blätter heilig." 

Der Gelehrte widmete sich besonders seiner Muttersprache Dari. Die Ausdrücke aus den Sprachen Dari, Tadschiki und Farsi haben für ihn einen besonderen Stellungswert. Er bezeichnete sich als Schüler von Rudaki und Avecinna, Daqigi (zoroastrische Dichter) und Onssori Balchi (der Verfasser von Liebesgeschichte von „Sorchbud“ (rote, warme Statue) bzw. Shahmama, Baminans Buddha-Statue 35 m und „Khonok But“ (kühle Statue) bzw. Solsol, Baminans Buddha-Statue 53 m -Ü). 

„Reiseberichte, „Öffnung und Freiheit“, „Methoden der Religion“ „Brüderherrscher“„Über die Aufklärung“ „Über den Wohlstand und die Glückseligkeit“ sind die Titel seiner Werke, von denen die zwei letzten seine wichtigsten Bücher sind, in denen er seine gesamten wissenschaftlichen, philosophischen und ethischen Gedanken herauskristallisierte. Sie enthalten Allegorien, die der Gelehrte volksnah und verständlich darstellte. Nach 1000 Jahren werden sie noch immer verstanden. Hier ein Gedicht aus seinem ausgewählten Werken: 

Du bist vom Mensch geboren, sei auch ein Liebhaber der Menschen.

 Wozu streben nach Ungeheuer? Sei ein Mensch.

 Nasser Khossrau macht in seinen philosophischen Abhandlungen von der gebundenen Sprache Gebrauch. Für ihn ist die Mischung von Lyrik und Prosa in seinen Werken charakteristisch sowie die Anwendung von Dialogen in Form von Frage und Antwort, wie in seinem Buch „Brüderherrscher“ zu lesen ist. 

Die Gedanken von Nasser Khossarau sind geprägt von der islamischen Religion ismaelitischer Konfession. 

Eine Menge seiner Ausdrücke sind zu Redewendungen der Völker dieses gemeinsamen Kulturkreises geworden. Die Entwicklung der Grammatik in den drei Sprachprägungen und insbesondere in der morphologischen Erneuerungen sowie der Anwendung von Vorsilben und Nachsilben zur Wortneubildung und die Steigerung von Adjektiven, die auch heute noch von der tadschikischen Bevölkerung und in den Gebieten um den Pamir gebraucht werden. gehören zu seinem Verdienst. 

In seinem „Brief über die Reise“ (Buch über Reiseabenteuer) schreibt er: „Die Entfernung von Balch (Baktra bzw. Baktrien) bis Mekka über Ägypten, und von dort bis Basra und von Pars nach Balch zurück beträgt 2220 Farsang ( 1 Farsang = 6240 m)“. 

Der große Humanist war allenthalben in Korassan (heutigen Gebiete von Iran, Afghanistan, Pakistan bis Kaukasus und Indien) beliebt und verehrt. 

Der Begründer der Ismaeliten, Nasser Khossrau, starb im Jahre 1078 (christliche Zeitrechnung) in Yomagan-Tal in der heutigen afghanischen Provinz Badachtschan, in der er zuletzt fast 25 Jahre lang lebte. Er wird von den Einwohner als „Pir Schah Nasser Khaossrau verehrt. Als „Nasser Khossrau e Badachtschi bzw. Qobadani“ wird er von den Völkern aller Länder des Sprachraumes geliebt und gerühmt.

Millenniumsfest und Symposium für Nasser Khossrau

 

BBC 7.09.03

 Von Sohrab Zia in Doschanbe, übersetzt von Dr. Mir Hafizuddin Sadri

In der tadschikischen Hauptstadt Doschanbe fand am Vorabend der Unabhängigkeitsfeier eine Hommage für den Dichter und Philosophen der Sprache Farsi anlässlich seines 1000jährigen Geburtstags statt, der der ismaelitischen Glaubensrichtung des Islam angehörte. 

Das Motto des Symposiums, das am Samstag begann und zwei Tage dauerte und der die Kulturschaffende und Wissenschaftler aus 10 Ländern beiwohnten, lautete: „Wirklichkeit, Wirken und Werke von Nasser Khossrau“. Viele Redner gingen auf die vielfältigen Horizonte der literarischen und philosophischen Gedanken des Gelehrten ein. 

Dieser Hommage ging eine Veranstaltung voraus, die mit Unterstützung der ismaelitischen Forschungsstiftung in der Hauptstadt der Provinz Badachtschan, Kharogh, veranstaltet wurde. Badachtschan ist das Zentrum der Ismaeliten. 

Nach den Äußerungen von Nagina Scharafoa, Vizeministerpräsidentin von Tadschikistan und Schirmherrin der Feierlichkeiten findet das Millenniumsabschlussfest für den Gelehrten in seiner Heimat Qubadian statt, in der auch ein Haus zu Ehren des großen tadschikischen Dari-Dichters eröffnet wurde. 

Beim Symposium begrüßte aus dem Iran Ahmad Masdjed Jahami, der „Minister für Kultur und islamische Rechtsgläubigkeit“, die Teilnehmer des Treffens, hob die sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeit zwischen der Länder der Region sowie die weiteren Forschungen über den großen gemeinsamen Vorfahren hervor. Minister Jahami lud die Teilnehmer zu den Millenniumsfeierlichkeiten zur Ehrerbietung für den Gelehrten im Iran im kommenden Jahr ein: „ Wir werden diese Konferenz in der anderen Heimat und Geburtstätte der Sprachen Farsi und Dari, nämlich im Iran fortsetzen. Ich möchte die Gelegenheit wahrnehmen, Sie herzlichst dazu dorthin einzuladen.“ 

Bei dem heutigen Symposium referierten Jora Beg Nazariow, der Präsident des Instituts für Orientalistik und der Akademie der Wissenschaften Tadschikistans, Standslawo Rudakow, Präsident des Instituts für Orientalistik Russlands, Dr. Fakir Mohammad Khonzani, Mossa Dinar Schahpow und Ghafar Aschurow über den Stellenwert der Werke von Nasser Khossrau für den gemeinsamen Kulturraum der Sprache Farsi. 

Der Tadschike Sarferaz Niazow und Präsident für den Mittleren Osten der in London ansässigen Ismaelitischen Forschungsstiftung sagte:“ Die Ismaelitische Forschungsstiftung lud Wissenschaftler aus 12 Ländern wie der USA, Kanada, England, Malaysien, Indien, Israel und Russland zu diesem Fest ein und ermöglichte 16 tadschikischen Wissenschaftlern aus verschiedenen Regionen Tadschikistans die Reise. nach Kharogh. Auch Wissenschaftler aus Badachtschan luden wir zu diesem Symposium nach Doschanbe ein.

Latif Paderam, ein afghanischer Forscher, wies darauf hin, dass Nasser Khossrau zwar eine große Rolle bei der Entwicklung der Sprache Farsi und ihrer Literatur spielte, seine Werke und Gedanken jedoch noch nicht ausreichend erforscht seien. Er begründete dies: „Wir sollten nicht vergessen, dass Nasser Khossrau ein großer Dichter und sein Einfluss auf die Kultur und Religion des Farsi-Sprachraums zweifelsohne unumstritten ist, doch wurde er aufgrund der Vorurteile gegenüber den Ismaeliten weniger beachtet, so dass wir leider wegen dieser Diskriminierung nicht imstande waren, von den Früchten der Lehren dieses großartigen Dichters, Nasser Khossrau, zu profitieren“