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Nuruddin Abdul Rahman  Jami  (Djami)

zu Gedichten

Die Perioden von 9. bis 15. Jahrhundert n. Chr. – insbesondere von Rudaki bis Jami - werden als Blütezeit der Dichtung des Dari bzw. Farsi in diversen literarischen Gattungen wie Lyrik, Epik und teilweise auch in der Dramatik bezeichnet.

Allein am Hofe der Ghaznawiden z.B. am Hofe von Sultan Mahmmud in der damaligen Hauptstadt Ghazni – 160 km von Kabul entfernt - sollen 400 Dichter und Denker gewirkt haben. Doch zahlreiche ihre literarische Kunstwerke „gingen nach dem Brot.“ Doch uns sind namentlich 106 herausragende Dichter wie Ferdaussi, Farochi, Onssuri, Sanaie Ghaznawi, Hassan Ghaznawi u.v.m. bekannt, deren Werke die antike Mythologie des Landes wiederbelebten. Sie erfuhren und - erfahren noch-  nicht nur in den Gebieten des von Nezami aus der aserbaidschanischen Stadt Gendsche bezeichneten „ sieben Sprachprägungen des Dari“ in Zentralasien und im indischen Subkontinent Ruhm und Anerkennung, sondern auch erlangten sie und ihre Werke dank der Übersetzungen und Würdigungen der europäischen Genies aus 17. und 18. Jahrhundert Weltruhm.

Besonders trugen die Schmiede der deutschen Klassik wie Friedrich Rückert und Johann Wolfgang von Goethe zu deren Weltruhm bei. Ihre Werke aus Orient und Okzident zählen zu der Weltliteratur schlechthin. In Afghanistan wird z.B. Goethe. als „Goeta“ gerühmt.

Nach Jami hatten die Dichter und Denker des Kulturkreises auf dem Boden des heutigen Afghanistan wegen der aufgezwungenen Kriege und Invasionen kaum die Gelegenheit gehabt, die antike Tradition des Landes mit der Tradition des Mittelalters zu vereinigen, damit daraus etwas Neues geboren wird.

Zwar unternahmen einige wie der Reformator Sayed Mohammad Jamaluddin Afghani im 19. Jahrhundert und der Dichter, Journalist und Reformer Mahmood e Tarzi, der Schwiegervater des demokratischen Königs Amanullah Khan im 20. Jahrhundert, den Versuch, jedoch scheiterten diese Bemühungen.

Möge nun die neue afghanische Verfassung, die die islamische Tradition mit der Freiheit als Grundvoraussetzung der Demokratie vereinigen und die hinduistischen, zoroastrischen, buddhistischen und christlichen Kulturerben des Landes schätzt und schützt, den Weg zur Wiedergeburt der multilingualen Afghanischen Modernen Literatur ebenen, die zum einen einen Beitrag zur Entwicklung des Landes und Verarbeitung der Konflikten und Traumata der Menschen leistet und zum anderen nicht Hass, Krieg, Rache und Zwietracht sät, sondern die Menschen unterhält und unterrichtet wie uns der Weise von Jam lehrt.

Maulana Nuruddin Abdul Rahman Jami (Djami bzw. Dschami) erblickte am 16. „Akrab“ (Tierkreiszeichen Skorpion) des Sonnenjahrs 817 H. (7. Nov.1414) in der historischen Stadt Jam in der Provinz Herat das Licht der Welt.

Jami ist der berühmte Dichter, Musikwissenschaftler, Linguist, Theologe und Rhetoriker, der in der letzten Periode der Timoriden-Dynastie wirkte. Er zählt zu den großen Dichtern wie Nasser e Khossrau, Mawlana und Hafis. Er ist somit auch der letzte große Dichter in der Sprache, dem Stil und Versmaß von Dari. Danach waren bei den Dari-Dichtern die indische Metrik und Versordnung vorherrschend wie z. B. beim indischen Dari-Dichter Maulana Hakim Abdul Qader e Behdel Delhawi.

Jami besaß die Virtuosität, komplizierte Phänomene und Themen in verschiedenen literarischen Formen und Gattungen zu bringen. Jami gehörte dem Naqschbandi-Orden an und wurde nach dem Tode von Sayeduddin Kaschagari das Oberhaupt dieses Ordens. Sultan Hossein Baeqra ließ sich von dem Gelehrten Jami beraten.

Zu den berühmten Werken in ungebundener Sprache gehören u.a. „Nafahat ul Uns“ (Hauch der Vertrautheit) und „Baharestan“ (Frühlingsgarten). „Baharestan“ scheint an dem von Saadi Schirazi in ungebundener Form verfassten „Bustan“ (Blumengarten)“ angelehnt zu sein; „Golestan“ (Rosengarten) war von Saadi in gebundener Sprache verfasst. „Baharestan“ von Jami enthält ebenfalls Anschauungen, Allegorien, Aphorismen und Anekdoten zur prosozialen humanistischen Verhaltensweisen.

Jami war einer der größten Sprachwissenschaftler in der Wissenschaftsgeschichte des Kulturkreises. Seine logogriphischen Methoden der Morphologie zur Erzeugung neuer Begriffe und Wörter sind die Vorwegnahme der Chomsky’schen syntaktischen Theorien der „Generativen Transformationsgrammatik“ im Satzaufbau. Jami leistete mit sog. „generativen Operationen“ wie Deletion (Weglassprobe), Addition (Hinzufügen) und Transformation (Verschieben) einen großen Verdienst für die Grammatik des Dari und für die Lebendigkeit und Reichhaltigkeit der Sprache Dari, die als Muttersprache der Sprachprägungen Farsi in und um den Hindukusch in Zentralasien bezeichnet wird.

Jami war ein Meister der Epistolograhie, die Kunst des Briefschreibens. Seine Briefe enthalten Weisheiten und wissenschaftliche Themen, die vergleichbar sind mit denen der Briefe zur ästhetischen Erziehung von Schiller.

Ferner war Jami ein Logograph, was die Geschichte anbelangt. Er hat Kurzbiographien von knapp 600 der hochrangigen Mystiker und Metriker geschrieben. Das aus sieben Teilen bestehende Monumentalwerk heißt „Haft Aurang“ (Sieben Kronen bzw. sieben Schönheiten), das er im Doppelt-Reimmaß „Mathnawi“ verfasst hat sowie „Selsala el Zahab“ (Goldene Kette bzw. Golddynastien), „Salman o Bessal“ (Stylen und Verbieten), „Tafatul Harar“ (Großzügigkeiten der Freiheitsliebenden) „Sabhata ul Ebrar“ (Ahnengebete), die Liebesgeschichten von „Jossuf und Sulaicha“ (Jossef und Selaikha) „Laila und Madschnun“ sowie „Kharadname e Skandari“ (Alexandrisches Weisheitsbuch).

Jami folgte in der Prosa dem von Nezami Ganjawi postulierten Literaturstil „Nazme Dari“ (Reimordnung des Dari) und in der lyrischen Gattung vollendete er die Kunst der Dichtung von Schirazens Ghazaldichter Saadi und Hafis.

Schon 1856 übersetzte der englische Dichter Edward Fitzgerald das Werk „Haft Aurang“, „Sieben Gulzum“, das Anschauungen über Metrik und Rhetorik enthält.

Hier ein Gedicht des Dichters Jami über das Wissen:

Lob der Feder

 

Die Feder ist die erste Voraussetzung der Macht

Für die Erneuerung der beiden Welten bedeutet sie dasselbe

Sie ist wie ein Setzling, der im Garten bei gutem Klima gedeiht

Sie führt zum Wohle der Menschheit und ist Samen und Ernte zugleich

Ihr Antlitz ist oberflächlich wie ein Mensch aufrecht gebaut

Ihr Wert liegt darin, da sie das Wesen des Menschen widerhallt.

Mein Gebetsort ist sie und sie ist frei

Im Grund der höchsten Schöpfung ist sie enthalten

Sie strahlt Licht für jeden

Von ihrer Zunge sprüht die Problemlösung für alle

 

In einem anderen Gedicht heißt es u.a.:

Mit den Zähnen den Stahl schneiden

Mit den Nägeln den Granitstein meißeln

Ins Feuer sich tauchen lassen

Mit dem Wimpern Glutstücken fangen

Den Last der Hunderten von Kamalen auf dem Haupt zu laden

sie vom  Orient bis Okzident tragen

Diese sind leicht für Jami  als

die Gemeinen zu preisen

Nicht nur im Bereich der Literatur und Dichtung würdigte Johann Wolfgang von Goethe den Dichter in seinem „Ost-Westlichen Diwan“. Goethe behauptete, dass Dschami – wie er ihn schrieb- die „vergangenen literarischen Bemühungen in seinen Werken zusammenfasste“. Im Buche „Suleikha“ greift er auf diesen Stoff zurück.

Der Stoff seines Werkes „Jussuf und Suleicha“ (Suleikha war die Frau des Potiphar ) geht auf das Alte Testament zurück und kommt auch in der 12.Sure des heiligen Buch des Islams vor. Somit wurde diese Geschichte zum literarischen Stoff des Genies aus dem 15. Jahrhundert. Das Buch beschreibt die Lage Jussufs, der von seinen Brüdern in einen Brunnen geworfen wurde. Ein Hirt soll ihn gerettet haben und an den reichen ägyptischen Potiphar als Sklave verkauft haben. Jussuf erwarb das volle Vertrauen des Potiphars und wurde in seinem Haus aufgenommen und so genoss er viel Vertrauen. Suleika begehrte den schönen, jungen Josef, aber er verweigerte sich ihr, weil er im Ehebruch einen Verstoß gegen den Willen Gottes sah, obwohl Zuleikha bereit war, die Götter(Statuen) zuzudecken, damit sie nichts sehen sollten. Jussuf habe dagegen erwidert, dass sein Gott allgegenwärtig sei. Darauf hin bezichtigte die verschmähe Suleikha Jossuf, sie verführt zu haben. Potiphar warf ihn in den Kerker. Doch die Geschichte endete wegen der Weisheit und Wahrhaftigkeit gut.

Mawlana Djami starb am 9. Nov. 1492 in Herat. Sultan Husain Baeqra errichtete in Herat ein Grabmal für den berühmten Dichter. Das Grabmal des Gelehrten ist Wallfahrtsort, zu dessen „Ziarat“ (Ehrbietung, Besuch, Grab) nicht nur die Liebhaber der Dari-Dichtung kommen, sondern auch viele Anhänger des Naqschbandi-Ordens.

 

Mit den Zähnen den Stahl schneiden

Mit den Nägeln den Granitstein meißeln

Ins Feuer sich tauchen lassen

Mit dem Wimpern Glutstücken fangen

Den Last der Hunderten von Kamalen auf dem Haupt zu laden

sie vom  Orient bis Okzident tragen

Diese sind leicht für Jami  als

die Gemeinen zu preisen

 

Von Dr. Mir Hafizuddin Sadri