Mawlawi e Balchi, Rumi genannt 

afghan-aid

Djalaluddin Mohammad Balchi bzw. Rumi

Jalalluddin Rumi e Balchi zu seinem 796. Geburtstag 

 

Jalalluddin Mohammed Rumi, im Sprachraum des Dari als Balchi berühmt, ist vermutlich am 8. Mizan (Sternzeichen Waage) des Sonnenjahrs 586 H. (30.September 1207 n. Chr.) in der historischen Provinz Baktrien (der heutigen Provinz Balch) geboren. Während der Angriffe der Mongolen immigrierte die Familie in die Türkei. Seine neue Heimat in der Türkei hieß damals Rum, die heutige Stadt Konya. Deshalb ist er als Rumi (aus Rum) bekannt. 

Der Dichter ist im Westen als Begründer der „Tanzenden Derwisch-Orden“ bekannt. Dieser Orden soll nach dem Ableben des Dichters von seinem Sohn institutionalisiert worden sein. Die Ordensteilnehmer kleiden sich mit langen Gewändern und kegelförmigen Hüten und tanzen zu gleichbleibenden musikalischen Rhythmen, während sie eine Hand zum Himmel und die andere Hand zur Erde strecken. Dabei tragen sie die Verse von Mawlana oder Malauwi vor. 

Das Lebenswerk Jalalluddin Mohammed Rumis ist "Schams e Tabrizi", welches 60 000 Verse in der Sprache Dari beinhaltet. Es ist eine Widmung für seinen Lehrer und Freund Schams e Tabrizi, der sich von der materiellen Welt abwandte und sich ständig auf Wanderschaft befand. In den beiden letzten Zeilen eines jeden Gedichtes kommt der Name Schams (Sonne) vor. In Wesen von „„Schamsuddin  (Sonne der Religion) Mohammad ben e Ali Täbrizi“ konzentriert Mawlana (unser Herr, Titel für Gelehrte) seine ganze Lehre („Tasaof“= Mystifizismus bzw. Sufismus). Mawlana bezeichnet Schams e Täbrizi (Sonne aus Täbriz) u.a. als „absolutes Licht und Sonne“. Mit solchen Allegorien wie Sonne, Wein, Kharabat usw.– das Werk weist eine Fülle von Allegorien, Gleichnis, Ambiguitäten , Mehrdeutigkeiten und Weisheiten auf - versinnbildlicht er in der Person von Schams und der damit verbundenen Sonne jene Reinheit und anzustrebenden Eigenschaften des Menschen, die religionsübergreifend fähig sind ohne das Medium der Religion zur Erhabenheit und Vervollkommnung zu gelangen, wenn sie das Phänomen „Nafs“ (Trieb) steuern können. Mit Schams personalisiert er das Göttliche, nach dem der Mensch bestrebt sei, sich mit ihm zu vereinen. 

Mawlana unterscheidet zwischen „Schariat“ und „Tarigat“. Die Direktive der Schariat sind festgesetzt worden, die Rahmenbedingungen eindeutig definiert, während die Gesetze der Tarigat (Erkenntnis) grenzenlos und Zweifel erlaubt sind. 

In sozialphilosophischer Hinsicht ist Mawlawis Philosophie mit dem “Sonnengang“ von Franz von Assisi (1182-1227) vergleichbar, der sich auch für die Armen einsetzte, sich von allen materiellen Reichtümern dieser Welt lossagte und sich dem Pfade zu seinem Gott widmete. 

Neben der Sonne spielen in den Werken von Mawlana Klang und Lied, Kunst und Kultur eine zentrale Rolle. An verschiedenen Stellen seines o.g. Meisterwerkes preist er die 3000 Jahre alten typisch heutigen afghanischen Musikinstrumente wie Rubab (Tor zur Seele), ein Instrument mit zwei Korpi, „Tschang“ (Harfe), „Nai“ (Flöte), Hud (Santur, Sitar), Dohl (Trommel). 

"Suche den Klang der nie vergeht. 
 Suche die Sonne die niemals  untergeht“ 

Mit der Huldigung dieser Instrumente trug er zur Wiedergeburt der hinduistischen, zoroastrischen und buddhistischen Tradition seines Geburtslandes bei, in dem Lied und Musik, Gesang und Klang die einst integralen Bestandteile von Religion und Meditation waren. Somit trug Mawlana ebenfalls dazu bei, dass diese Instrumente von den musikfeindlichen Herrschern des Landes verschont geblieben sind. Rubab (Tor zur Seele), das traditionelle Musikinstrument in Afghanistan nimmt in seinen Gedichten einen besonderen Platz ein. Vielleicht überlebt deshalb dieses Instrument die Zerstörungswut der herrschenden Musikgegner in Balch bis Peshawar, von Herat bis Nuristan. 

Dort wird Kunst, Musik und Dichtung sowie "Kharabat" (Welt, Schenke, Taverne bzw. Stätte der Meditation), stets gepriesen; aber auch jene ärmlichen Künstlerviertel insbesondere in seinem Monumentalwerk. 

Er ist einer der bedeutendsten Dichter, dessen philosophisch orientierte und humanistische Dichtung Aufklärungsprozess stark beeinflusste, welcher von den weiteren Dari-Dichtern wie Saadi Scherazi, der Weise von Schiraz (1229?-1292), Hassan Dehlhawi (geb.1337 n.C. in Dehli ) Hafis Schirazi (1389 oder 1390) und Nuruddin Abdul Rahman Jami (geb. 1414-1492)  fortgesetzt wurde. 

Kommunikation ist das Hauptproblem, das zugleich auch Missverständnisse verursacht, wie er im Weintraubenstreit von vier Menschen aus vier Ländern in Dichtform brachte. Jeder wollte Weintrauben kaufen. Aber keiner verstand den anderen, da die Wörter verschieden ausgesprochen wurden. In diesem Zusammenhang schreibt er über die Kraft der „Zaban“ (Zunge, Sprache): 

Oh Sprache, du rufst manches Unheil hervor.

Du sprichst, was dir beliebt.

Was soll ich dir noch dazu sagen?

Oh Sprache, du bist Feuer und Tenne zugleich.

Wie lange legst du noch Feuer in dieser Tenne?

Im Geheimen schreist du über das Wesen

Du rätst ihm dies, er aber tut jenes.

Sprache, du bist ein unendlicher Schatz.

Sprache, du bist ein unheilbarer Schmerz.

 

Die namhaften afghanischen Musiker wie Ustad Mohammad Sarahang sowie der Meister der Rubab, Ustad Mohammad Omer, trugen ihre Lieder vor. Auch das folgende Lied wurde von diversen afghanischen Sängern und Sängerinnen mit von dem Mawlanas beliebten Musikinstrumenten besungen. Die ersten beiden Versen lauten: 

Höre zu, was die Flöte (Schilfsrohr) zu sagen hat
sie beklagt sich über ihre Trennung (vom restlichen Schilfrohr)
Bei der Trennung vom Land der Flöte (Schilfssumpf) schrie ich laut,
Frauen und Männer beweinten mich durch meinen (Trompeten)ton.
 

Mawlana beherrschte das Türkische und das Arabische. Er dichtete auch in diesen Sprachen, aber den größten Teil seiner Gedichte verfasste er in der Sprache Dari, seiner Muttersprache. Er ist von der Türkei bis zum Pamir beliebt. 

Das Werk „Masnavi Mahnawi“ beinhaltet in sieben Büchern fast 25 000 Doppelversen und das „Fihi ma Fihi“ stellt Mawlawis philosophischen Ideen vor, das als Standardwerk der Metaphysik gilt. 

Mawlawi ist Meister von Kassida (Elegien bzw. Panegyikons –Lobeshymnen lediglich für supra-naturalen Erscheinungen), Ghasal (Gedichtform mit wiederkehrenden gleichklingenden Reimen), Rubaie (Vierzeiler) und Monajat (Lobesgesang für den Gott). 

Mawlanas Werk steht ebenso wie Diwan  von Hafis mit dem Koran im Regal der armen und reichen Bevölkerung. Afghanistan, Iran , Tadschikistan und die Türkei sind stolz darauf, einem berühmten Dichter gemeinsam Ehrbietung zu zollen. 

Der Meister der spirituellen Dichtung starb 66jährig am 17.12.1273 in der türkischen Stadt Qonya. 

„Man sagt, in ihm verbanden sich der Intellekt eines Platon mit der visionären Kraft eines Buddha und der Wortgewalt eines Shakespeare: Jalal od-Din Rumi hat der Nachwelt ein faszinierendes mystisch-poetisches Werk hinterlassen, das einzigartig ist in der spirituellen Weltliteratur. In seinen Schriften spricht Rumi von der inneren Einheit aller Wesen und ermutigt dazu, jenseits aller konfessionellen und dogmatischen Zwänge einen direkten Zugang zum Göttlichen zu finden. Dieses Buch enthält eine Auswahl seiner inspirierendsten Lehrtexte, die den Leser durch die verschiedenen Stufen des mystischen Wegs führen. Die Authentizität und Klarheit der Worte Rumis, die von seiner eigenen leidenschaftlichen und kompromißlosen Suche nach der Wahrheit zeugen, ermöglichen es jedem, den »Pfad der Liebe«, wie Rumi ihn lehrte und lebte, selbst zu gehen (...)“. 

Unter dieser Adresse finden Sie die Übersetzungen einiger Gedichte von dem großen gemeinsamen Dichter aus der Türkei bis Pamir, übersetzt von Friedrich Rückert

http://gutenberg.spiegel.de/rueckert/mewlana/mewlana.htm

 

بشنوﺍﺯﻨﻰ ﻭﻥ ﺤﺍﻴﺕ ﻤﻰ ﻨﺩ

ﻭﺯ ﺠﺩﺍ ﻴﻴﻬﺎ ﺸﺎﻴﺕ ﻤﻰ ﻨﺩ

ﺯ ﻨﻴﺴﺘﺎﻥ ﺘﺎ ﻤﺭﺍ ﺒﺒﺭﻴﺩﻩ ﺍﻨﺩ

ﺍﺯ ﻨﻔﻴﺭﻡ ﻤﺭﺩ ﻭ ﺯﻥ ﻨﺎﻠﻴﺩﻩ ﺍﻨﺩ